Deutschlands IT-Fachkräftemangel schrumpft – warum bleibt das Recruiting 2026 trotzdem schwierig?

Deutschlands IT-Fachkräftemangel schrumpft – warum bleibt das Recruiting 2026 trotzdem schwierig?

Deutschlands IT-Fachkräftemangel sieht heute deutlich weniger dramatisch aus als noch vor ein paar Jahren.

Bitkom schätzt, dass 2026 rund 79.000 IT-Stellen unbesetzt sind. 2025 waren es noch 109.000, 2023 sogar 149.000.

Das klingt zunächst nach einer deutlichen Entspannung.

Dann gibt es aber noch eine andere Zahl: 97 % der Unternehmen mit offenen IT-Stellen haben weiterhin Schwierigkeiten, diese zu besetzen.

Der Fachkräftemangel hat sich also fast halbiert – einfach geworden ist das Recruiting trotzdem nicht.

Der Grund ist relativ klar: Deutschland hat heute nicht mehr nur ein Mengenproblem. Es hat zunehmend ein Matching-Problem.

Warum der Mangel zurückgeht

Ein Teil des Rückgangs lässt sich damit erklären, dass Unternehmen weniger einstellen.

Die Bundesagentur für Arbeit hatte 2025 im Jahresdurchschnitt rund 13.000 gemeldete Stellen für IKT-Fachkräfte im Bestand – 22 % weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig wurden seit 2024 weniger neue IKT-Projekte in Unternehmen umgesetzt.

Die Arbeitslosenquote in IKT-Berufen stieg dagegen von 3,7 % auf 4,5 %.

Das ist wichtig, wenn man nur auf die Zahl der offenen Stellen schaut.

Ein Rückgang von 149.000 auf 79.000 unbesetzte IT-Stellen bedeutet nicht, dass Deutschland plötzlich 70.000 zusätzliche IT-Fachkräfte gefunden hat.

Ein Teil der Nachfrage ist schlicht verschwunden, weil Unternehmen weniger einstellen und Projekte zurückgestellt haben.

Auch die Bundesagentur für Arbeit kommt in ihrer Engpassanalyse zu einem interessanten Ergebnis: Fachkräfteengpässe in der Softwareentwicklung, die in den vergangenen Jahren regelmäßig sichtbar waren, waren 2025 nicht mehr festzustellen. Bei einigen spezialisierten IT-Berufen gibt es dagegen weiterhin Besetzungsprobleme.

Der Markt hat sich also abgekühlt.

Das heißt aber noch lange nicht, dass Unternehmen automatisch die Leute finden, die sie tatsächlich brauchen.

Die passende Person zu finden bleibt schwierig

Die befragten Unternehmen nennen konkrete Gründe, warum offene IT-Stellen weiterhin schwer zu besetzen sind.

Die Antworten sind ziemlich konkret:

AnteilGenanntes Hindernis
33 %sagen, Bewerbern fehlen Kenntnisse aktueller Technologien
31 %erhalten kaum oder gar keine passenden Bewerbungen
43 %nennen unzureichende fachliche Qualifikationen
47 %sehen fehlende Deutschkenntnisse als Problem

Damit wird auch klar, warum mehr verfügbare Kandidaten das Recruiting nicht automatisch einfacher machen.

Ein Unternehmen sucht selten einfach nur „einen Entwickler“.

Vielleicht wird jemand gebraucht, der den bestehenden Backend-Stack kennt, sich mit Cloud-Infrastruktur, Datenbanken, Security und externen Schnittstellen auskennt.

Ein anderes Unternehmen braucht heute React, Node.js und AWS – und sechs Monate später zusätzlich KI-Integration oder Data Engineering.

Es gibt durchaus Entwickler auf dem Markt.

Schwierig bleibt, genau die richtige Kombination aus Erfahrung und Fähigkeiten zu finden.

Abgleich von Kandidatenprofilen mit SaaS-Anforderungen wie Frontend, Backend, Cloud, Datenbanken, Security, Integrationen und KI.

KI verändert die Anforderungen

KI verändert inzwischen auch, welche Entwickler für Unternehmen besonders wertvoll sind.

Routine-Code lässt sich schneller erstellen. Coding-Assistenten übernehmen bereits einen Teil repetitiver Entwicklungsarbeit.

Was dadurch nicht verschwindet, sind Entscheidungen rund um Architektur, Security, Skalierung, Produktionsprobleme oder komplexe Integrationen.

Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt genau diese Entwicklung: Digitalisierung, Automatisierung und neue KI-Technologien erhöhen das Anforderungsniveau in IKT-Berufen, während die schwächere Konjunktur gleichzeitig die Einstellungsdynamik bremst.

Das sieht man auch an den Stellen.

Von rund 39.000 neu gemeldeten IKT-Stellen richteten sich mehr als 40 % an Experten. Rund ein weiteres Drittel suchte Spezialisten.

Die Arbeitslosenquote bei hochqualifizierten IKT-Experten lag gleichzeitig nur bei 3,5 %.

Deutschland kann deshalb gleichzeitig mehr verfügbare IT-Fachkräfte und Unternehmen mit Schwierigkeiten bei der Suche nach erfahrenen Engineers haben.

Das widerspricht sich nicht. Die vorhandenen Skills und die gesuchten Skills passen einfach nicht immer zusammen.

Software-Kompetenz wird weiterhin gebraucht

Softwareentwicklung ist aus dem Arbeitsmarkt natürlich nicht verschwunden.

Der Studie zufolge entfällt aktuell der größte Anteil der Nachfrage auf IT-Administration und Systembetrieb mit 26 %.

Softwareentwicklung und -architektur machen 17 % aus, Cloud und Infrastruktur weitere 14 %.

Das Problem für viele Unternehmen ist eher, dass moderne Softwareprodukte selten nur eine dieser Fähigkeiten benötigen.

Ein SaaS-Produkt kann gleichzeitig Folgendes brauchen:

  • Frontend- und Backend-Entwicklung
  • Cloud-Infrastruktur
  • Datenbank-Know-how
  • Security
  • Integrationen
  • KI-Kompetenz

Eine einzelne Person bringt selten in allen Bereichen tiefe Erfahrung mit.

Große Unternehmen können dafür mehrere Spezialisten einstellen. Für kleinere Unternehmen lohnt es sich oft nicht, für jede benötigte Kompetenz eine eigene Vollzeitstelle aufzubauen.

Was bedeutet das für 2026?

Deutschlands IT-Arbeitsmarkt hat sich entspannt – zumindest beim Volumen.

Es gibt weniger offene Stellen. Mehr Kandidaten sind verfügbar. Der extreme Engpass der vergangenen Jahre ist kleiner geworden.

Was geblieben ist, ist die Schwierigkeit, Menschen mit genau den Fähigkeiten zu finden, die ein Unternehmen aktuell braucht.

Die Zahl von 79.000 offenen IT-Stellen erzählt deshalb nur einen Teil der Geschichte.

Für Unternehmen stellt sich 2026 weniger die Frage:

„Finden wir überhaupt einen Entwickler?“

Sondern eher:

„Finden wir genau den Engineer, den unser Produkt gerade braucht?“

Und sechs Monate später kann sich dieser Bedarf schon wieder verändert haben.

Für stabile, langfristige Rollen bleibt eine Festanstellung sinnvoll.

Sie ist aber nicht die einzige Möglichkeit, zusätzliche Entwicklungskapazität aufzubauen.


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